Im feierlichen Rahmen wurde am 22. Jänner 2024 das Bündnis NaturVerbunden-Naturnetzwerk Steiermark unterzeichnet.
Die Bündnis Urkunde wurde unterzeichnet von Ursula Lackner (Umweltlandesrätin), Anton Lang (Landeshauptmann-Stellvertreter), Franz Mayr-Melnhof-Saurau (Landesjägermeister Steiermark), Franz Titschenbacher (Präsident Landwirtschaftskammer Steiermark), Bernd Osprian (Vorsitzender-Stellvertreter Städtebund Steiermark), Martin Ozimic (Geschäftsführer Gemeindebund Steiermark) und Christian Mairhuber (Landesnaturschutzbeauftragter).
„Wir bekennen uns dazu, künftig alles uns Mögliche daran zu setzen, Lebensräume so miteinander zu vernetzen, dass daraus ein landesweiter Biotopverbund entsteht, mit dem Ziel, unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie die durch die Natur erbrachten wertvollen Ökosystemleistungen zu erhalten, durch aktives fachkundiges Management auf dem aktuellen Stand des Wissens zu fördern und damit unsere Lebensgrundlage und unser aller Wohlergehen zu sichern. Gemeinsam gehen wir den Weg in eine naturverbundene Zukunft!“
Am Mittwoch, 26. Juni 2024, standen der Landhaushof und die Herrengasse in Graz ganz im Zeichen von Natur und Umwelt. 37 Organisationen aus der gesamten Steiermark präsentierten ihre Aktivitäten, Wissenswertes aus dem Reich des Naturschutzes und kulinarische Kostproben.
Der „Markt der Artenvielfalt 2024“ in Graz
Viele Interessierte nutzten die Gelegenheit und besuchten den „Markt der Artenvielfalt“ in Graz. Unter dem Motto „NaturVerbunden“ wurden spannende, wissenswerte und faszinierende Aspekte des steirischen Naturschutzes gezeigt. Die Besucherinnen und Besucher konnten sich mit den Expertinnen und Experten austauschen und viel neues Wissen mit nach Hause nehmen. Zugleich gab es einfach umsetzbare Anregungen, wie man selbst zu intakten Ökosystemen und mehr Artenvielfalt beitragen kann. Das fachgerechte Anlegen einer Blühwiese war ebenso Thema wie die Vorteile einer Hecke aus heimischen Gehölzen oder achtsames Freizeitverhalten in Wald und Wiese.
Veranstalter Bernhard Stejskal, GF Naturparke Steiermark: „In den Medien hören und lesen wir zum Thema Naturschutz meist über Verordnungen und emotional geführte Interessens- und Nutzungskonflikte. In der Praxis geht es letztendlich um unsere natürlichen Lebensgrundlagen – von der Bestäubung über Erosionsschutz bis hin zu sauberem Wasser, sauberer Luft und gesunden Lebensmitteln. Mit dem ,Markt der Artenvielfalt‘ machen wir die vielen Menschen und Institutionen, die sich für den Erhalt bzw. die Verbesserung unserer Natur- und Kulturlandschaft engagieren, in der Landeshauptstadt Graz sichtbar.“
Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner wies bei einem Rundgang in aller Deutlichkeit darauf hin, dass Biodiversität die Grundlage für eine lebenswerte Steiermark ist und betonte: „Wir profitieren alle von gesunden Lebensräumen, die vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten und auch ein wichtiger Faktor für die Eindämmung des Klimawandels sind. Allerdings gerät die Biodiversität zunehmend unter Druck. Wir müssen also alle gemeinsam daran arbeiten, die Vielfalt in der Steiermark zu erhalten. Das Land Steiermark und viele weitere Organisationen haben sich daher zu einem starken Naturschutz-Netzwerk zusammengefunden, das sich beim ,Markt der Artenvielfalt‘ präsentiert.“
Der „Markt der Artenvielfalt“ bot steirischen Naturschutz zum Erleben, Erfragen und Mitmachen – inklusive eines großen Wimmelbildes, das die Vernetzung der Natur zeigte und den Besucherinnen und Besuchern als Fotowand die Möglichkeit gab, Teil davon zu werden.
Nächster „Markt der Artenvielfalt“: Mittwoch, 24. September 2025 (10:00 – 18:00) (bei Regen: Ersatztermin am Folgetag, 25.9.2025) Herrengasse und Landhaushof/Graz
Dienstag, 28. Mai 2024, 9 bis 19 Uhr, Live Congress Leoben
Lebensräume verbinden und Biodiversität fördern – gesagt, getan! Die Initiative „NaturVerbunden Steiermark“ wird getragen von einer Reihe verschiedener Organisationen, die sich aktiv für einen steiermarkweiten Biotopverbund einsetzen.
Unter Federführung der Abteilung 13 „Umwelt und Raumordnung“ des Landes Steiermark luden die Partner:innen der Initiative gemeinsam zu dieser Praxistagung ein. Der Titel stand für das bunte Programm, wobei jede und jeder willkommen war, die oder der sich für eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft in der Steiermark einsetzen möchte.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Praxisvorträge, die aufzeigen, wie man in unterschiedlichen Bereichen Biodiversität im Kleinen und Großen erhalten und fördern kann. Von der Anlage kleiner Trittsteinbiotope bis zur Bewahrung ausgedehnter Kernlebensräume – es gilt das Motto „Jede und jeder kann einen Beitrag leisten“.
Zielgruppe
Eingeladen waren insbesondere Praktiker:innen, wie z.B. Land- und Forstwirt:innen, Mitarbeiter:innen von Gemeinden und von Gärtnereien sowie Grund- und Gartenbesitzer:innen, die selbst etwas zur Artenvielfalt beitragen wollen. Ebenso freuten wir uns, Mitarbeiter:innen der Landesverwaltung, Organisationen aus dem Natur- und Umweltschutzbereich sowie Initiativen, die sich für den Erhalt unserer Natur- und Kulturlandschaft einsetzen (wollen), begrüßen zu dürfen.
Ziele
Es handelte sich um eine Veranstaltung der Initiative „NaturVerbunden Steiermark“. Im Mittelpunkt standen Praxisvorträge, die aufzeigten, wie man Biodiversität erhalten und fördern kann. Zudem wurde der Wert eines funktionierenden Biotopverbunds erläutert, praktische Umsetzungen wurden vorgestellt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln (biologisch, naturschutzfachlich, agrar-ökologisch, Landschaftsbild, Klimaschutz …) betrachtet.
Vier steirische Modellregionen schaffen durch einen Biotopverbund vernetzte Lebensräume! Mit der Initiative „NaturVerbunden Steiermark“ zeigen die Regionen Oststeiermark, Südoststeiermark, Südweststeiermark und Murau Murtal, wie Mensch und Natur besser „miteinander“ können. Was es dazu braucht? Ein starkes Netzwerk aus Gemeinden, Betrieben und Expertinnen sowie Experten – und das „Grüne Herz“ am richtigen Fleck. Jede Region setzt einzigartige Maßnahmen, von der Rettung alter Obstsorten bis zur nachhaltigen Almbewirtschaftung, um den Biotopverbund in ihre eigenen Strukturen und die Naturverbundenheit im Selbstverständnis der hier lebenden Menschen zu verankern.
Eine ästhetische Landschaft bedient alle unsere Sinne und trägt zur Lebensqualität und unserem Wohlbefinden bei. Davon profitieren wir alle – unmittelbar vor der eigenen Haustür aber auch der Tourismus. Neben den ökologischen Aspekten einer vielfältigen, schönen Landschaft geht es auch um Ökosystemleistungen. Damit sind sämtliche Faktoren gemeint, die die intakte Natur dem Menschen als Dienstleistung zur Verfügung stellt und die die Grundlage für unser menschliches Dasein bilden. Die Naturlandschaft wirkt in ihren vielfältigen Formen klimatisch ausgleichend, bremst Wind und schützt somit vor Bodenerosionen, speichert und filtert Regenwasser, hilft dem Boden Wasser halten zu können, bindet Stickstoff und speichert Kohlenstoff.
In Bezug auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion ist die Bestäuberleistung durch Insekten von enormer Bedeutung. Zudem bilden Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere. In einem Biotopverbund finden Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und Co. vielfältige Lebensräume und Entwicklungsmöglichkeiten. Davon profitieren wiederum ihre Fressfeinde wie Vögel, Reptilien und Amphibien. Eine abwechslungsreiche und vernetzte Landschaft bietet verschiedensten Wildtieren Unterschlupf und stellt geschützte Überwinterungsquartiere bereit, zur Freude von Feuersalamander, Laubfrosch oder Igel. Hinter jedem Flurgehölz, jeder Blühfläche, jeder Hecke und jedem Baum stecken Wirkungsmöglichkeiten.
Tiere und Pflanzen müssen ihren Weg von einem Lebensraum zum anderen finden. Hecken, Obstalleen, Bachläufe, Böschungen und blühende Wiesenstreifen sind sogenannte Korridorbiotope. Sie verbinden Kernlebensräume, das sind größere Lebensräume, die über längere Zeit unverändert bleiben, miteinander. Aber auch sogenannte Trittsteinbiotope, kleinflächige Bereiche zwischen den Lebensräumen, dienen als Zufluchts- und Rastplätze. Sie machen die Kulturlandschaft durchlässiger und bieten den Tieren auf ihrer Wanderschaft Unterschlupf. Das kann ein Baum, ein Tümpel, Feldgehölz oder auch ein artenreicher und naturnaher Garten sein.
In einer einst reich strukturierten Kulturlandschaft, wie sie in der Steiermark bis in die 80er-Jahre existierte, war dieser Austausch möglich. Doch durch den Nutzungsdruck und menschliche Eingriffe wie Bodenverbrauch, Siedlungs- und Straßenbau, Flächenversiegelung und die Intensivierung der Landwirtschaft wurde dieses Netz zerschnitten. Hecken und Raine wurden vielerorts entfernt, Felder immer größer, durch das Begradigen von Bächen verschwanden Ufergehölze. Auch Streuobstwiesen als wichtige Elemente in der Kulturlandschaft und Horte der Biodiversität wurden zunehmend in Intensivgrünland umgewandelt und die Natur schleichend ausgeräumt. Doch nur wenn wir der Natur Raum geben und naturnahe Flächen entlang von Wäldern, Gewässern, Äckern und Straßen als Verbindungselemente bestehen bleiben, ist ein Austausch zwischen den Biotopen möglich.
Die Vernetzung von isolierten Lebensräumen ermöglicht den Austausch von Arten. Korridorbiotope sind Verbindungsstrukturen, die Kernlebensräume miteinander verknüpfen. Trittsteinbiotope ermöglichen dabei als kleine Flächen oder Überbrückungselemente eine Besiedelung, können aber auch Zwischenstation oder Zufluchtsort zwischen Lebensräumen sein.
Ein Biotop bezeichnet den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Das Wort setzt sich aus den griechischen Wörtern bios (Leben) und topos (Ort) zusammen. Fast jeder Biotoptyp hat seine eigene Flora und Fauna. Gibt es zwischen diesen Lebensräumen „Überbrückungen“ spricht man von einem Biotopverbund. Dieses Netzwerk dient dazu, die Mobilität von Pflanzen und Tieren zwischen isolierten oder fragmentierten Lebensräumen zu verknüpfen und einen Austausch der Arten zu ermöglichen. Dieser Austausch ist entscheidend für die genetische Vielfalt, die Anpassungsfähigkeit von Populationen aber auch für die Stabilität von Ökosystemen.